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Herausforderung Alpencross - Tourenbericht

on Mittwoch, 25 September 2013. Posted in Allgemein

Mein Alpencross Tourenbericht

Ausgangsituation: Fitnesslevel 0 / No Sports
Ziel: 6 Monate Vorbereitung
Ergebnis: Alpenüberquerung


Tourenbericht Alpencross 2013 - für Ines und die DKMS über die Alpen

Als es im Februar darum ging diese Aktion zu planen stand ziemlich schnell fest das wir bei der Alpenüberquerung die Albrecht Route fahren wollten. Schnell war auch klar das wir ohne einen Gepäcktransport starten. Einige Zeit vorher haben wir die ersten 3 Tage allerdings noch ein wenig modifiziert und uns für einen etwas anderen Streckenverlauf entschieden. Wie das manchmal ist, passieren Unterwegs nicht vorhersehbare Dinge die eine vorher geplante Route schnell mal über den Haufen werfen. Aber lest selbst:

Tag 1 - Montag 12.08.23013
Streckenverlauf:
Schröcken - Auenfelder Hochplateau über den Flexenpass & Arlbergpass weiter nach St. Anton zur Konstanzer Hütte
ca. 42 km & 1660 hm

Wir hatten aus verschiedenen Gründen beschlossen das wir nicht in Garmisch starten sondern im Bregenzerwald in Schröcken (liegt in der Nähe von Lech in Österreich). Markus (unser Guide) kannte die Ecke und meinte das Sie landschaftlich reizvoller ist (auch wenn ich statt einrollen am ersten Tag gleich in die Pedalen treten musste).
So haben wir uns am Montagmorgen um kurz nach 9:00 in Schröcken getroffen und sind bei traumhaftem Wetter gestartet. Unser Team war ein 3er Gespann bestehend aus Markus (Guide), Stephan (mein Freund) und mir (Britta).

Alpencross Start Lech Voralberg

Mein Körper wurde vor der Alpenüberquerung in den Erholungsmodus gefahren, damit ich für meine persönliche Herausforderung wirklich ausgeruht bin.
So war der Start für mich auch gleich recht heftig da mein Körper sich lieber wieder mit mir auf's Sofa gelegt hätte. Kein Einfahren sondern gleich Nonstop berghoch. Schneller als gedacht wurde die Luft knapp und ich hatte mit Übelkeit zu kämpfen. Die war zwar irgendwann weg aber mein Körper wollte nicht so recht umschalten. Alles hat sich einfach nur anstrengend angefühlt. Die Landschaft war wunderschön aber geniessen konnte ich das noch nicht. Ich war einfach viel zu angespannt, nervös und im Kopf noch nicht frei.

Alpencross

Vom Flexenpass zum Arlbergpass haben wir dann auch entschieden das wir die Straße fahren um mir und meinem Körper ein wenig Zeit zu geben.

Flexenpass

Um 16:00 Uhr war das erste Etappenziel die Konstanzer Hütte zum greifen nah, um 16:30 war es dann geschafft.

Nähe Konstanzer Hütte

Nach dem Essen ging es mir dann auch wieder richtig gut und es gab keinerlei "Nachwehen".

Schön ist es da ;)

Tag 2 - Dienstag 13.08.2013
Streckenverlauf:
Verwalltal über die Scheidseen, die Heilbronner Hütte, Kops-Stausee, Zeinisjoch nach Galtür und Ischgl zur Heidelberger Hütte
ca. 52 km & 1820 hm

Es hat die ganze Nacht geregnet. Kurz vor 8:00 Uhr sind wir los gefahren, noch war es trocken aber wie lange?

Tag 2 Alpencross

Irgendwann geht es auf das Plateau bei den Scheidseen, nach der Bachbrücke beginnt für mich die erste Hürde. Wie komme ich da rüber? Schon vorher gab es einige Stellen zum schieben nun sollte ich das Rad tragen. So etwas habe ich vorher noch nie gemacht und auch nicht geübt. Markus zeigt mir wie es geht. Sieht total easy aus. Allerdings, durch einen Sturz im Juli war ich zwar in der Lage mit meiner linken Hand Rad zu fahren aber ich hatte keine Kraft und konnte nichts hochheben, also musste Markus mir das Rad auf den Rucksack legen. Fühlte sich erst einmal ganz gut an.

Bike tragen

Habe dann aber gemerkt das mir das zusätzliche Gewicht im Nacken weh tut und das ich mit dem Rad nicht lange laufen kann. Eine Muskelzerrung im Nacken & Schulterbereich von dem Sturz im Juli hat sich durch das Gewicht gemeldet. Also bin ich irgendwann von tragen auf schleppen gewechselt. Natürlich fing es auf einmal an zu regnen was da oben ziemlich blöd werden kann. Die Steine werden rutschig und der Himmel wurde immer dunkler. Kommt da ein Gewitter oder haben wir Glück? Vorsichtshalber schnell weg, Markus kommt und nimmt mir auf den letzten paar Metern das Rad ab damit ich über die Steine klettern kann und wir da oben nicht im Gewitter stehen. Noch ein wenig schieben und wir sind an der Heilbronner Hütte. An diesem Tag wusste das Wetter nicht was es wollte, es hatte aufgehört und fing dann allerdings kurz nach der Heilbronner Hütte wieder an zu regen, diesmal richtig schön mit Graupel und Nebel.

Regenkleidung

In voller Regenmontur kam die Traumabfahrt in Richtung Kops-Staussee, durch das Wetter zwar nicht so traumhaft aber es ging gut vorwärts. Gesehen haben wir da oben leider nicht viel. Rasant geht es weiter nach Galtür. Dort angekommen hatte ich Hunger und wir wollten uns ein wenig aufwärmen und hatten Hoffnung das der Regen wieder aufhört. Nicht mehr so stark aber weiterhin mit Regen geht es weiter auf dem Radweg neben der Trisanna. Kurz hinter Galtür erreichen wir eine eindrucksvolle Schluchstrecke mit einem Wildbach. Schließlich kommen wir in Ischgl an, nach kurzer Cappuccino Pause hat es endlich aufgehört zu regnen und die Sonne kommt wieder raus.

tolle Landschaft

Weiter geht es ins Fimbertal, von der Mittelstation weiter über Bodenalpe hoch zur Heidelberger Hütte. Um kurz vor 17 Uhr haben wir unser 2. Etappenziel erreicht.

Heidelberger Hütte

Tag 3 - Mittwoch 14.08.2013
Streckenverlauf:
Fimber-Pass - Vna - Sur En - Val d'Uina - Schlinigpass - Sesvenna Hütte
ca. 39 km & 1830 hm

Der Morgen begann direkt von der Heidelberger Hütte hoch zum Fimberpass.

Richtung Fimberpass

Wer das kennt weiss das da nicht viel mit fahren ist und für mich schon 3 mal nicht. Also Rad schieben, stoßen, wuchten und kurz tragen.

wieder Rad tragen

Oben angekommen WOW. Erst war es noch etwas nebelig aber oben angekommen war alles weg. Wir hatten das tollste Wetter.

Fimberpass

Beide Männer haben mit Glitzern in den Augen den Fimberpass angeschaut und mir war klar die zwei freuen sich riesig diesen fahren zu dürfen. Das ich diesen nicht fahre war auch sofort klar! Nachdem ich die zwei vorgeschickt habe bin ich los gelaufen.

walking... ;)

Und ich kann euch sagen das war das tollste Gefühl da oben. Am Fimberpass bin ich richtig angekommen und emotional hat mich der total gepackt. Singend und lachend bin ich dort runter gelaufen und habe mich ausgesprochen gut gefühlt. Keine Probleme beim laufen im Gegenteil. Ich habe total viele Murmeltiere gesehen und habe es einfach nur genossen alleine dort zu sein.

Tag 3 - Teil 2

Vor Griosch geht es dann weiter bis Sur En. Der Weg bis dahin von der Heidelberger Hütte bis Sur En hat durch das laufen 4 Stunden gedauert. In Sur En angekommen haben uns Astrid und Walter sehnsüchtig erwartet.

Wer ist Astrid?
Während meiner Vorbereitungszeit habe ich Astrid kennengelernt. Astrid ist Inhaberin von www.velomaid.ch. Sie wohnt in Bergün in der Schweiz, ist eine Power-Frau, Sportmentalcoach, MTB-Guide, hat eine eigene Werkstatt und ohne Bike kaum vorstellbar. Während meiner Vorbereitung gab es einen absoluten Tiefpunkt. Dank Ihr habe ich mich wieder gefangen und weiter gemacht. Mental hat sie mir ungemein geholfen, aus diesem Grund war ich begeistert das sie angeboten hat den 3.Tag ab Sur En mit mir gemeinsam zu fahren und uns auf die Sesvenna Hütte zu begleiten. Walter ist ein Freund von Astrid der einfach Lust hatte an dem Tag mitzufahren, ein sehr lustiger Geselle :-)

Nach freudiger Begrüßung gab es dann erst einmal etwas zu Essen für mich (das war während der ganzen Woche immer total wichtig). Ich wusste was jetzt kommt würde noch einmal alles fordern aber mit Astrid kein Problem. Sie ist für mich so etwas wie ein Mental Engel und man glaubt nicht zu was man selbst in der Lage ist mit ein wenig mentaler Unterstützung und aufbauenden Worten.

Richtung Uiana Schlucht

Der Weg zur Uina Schlucht war heftig aber ich hab's geschafft und darauf bin ich wirklich stolz. Ich bin alles komplett gefahren! Die Männer, die wir auch hier vorgeschickt haben um alleine mit Astrid ein wenig Zeit zu verbringen, haben nicht schlecht gestaunt als ich grinsend wie ein Honigkuchenpferd auf dem letzten Stück kurz vor der Schlucht an der Bergkäserei Uina Dadaint angekommen bin.

Uina Schlucht

Mit Stephan und Astrid habe ich dann die Uina Schlucht gemeistert. Das letzte Stück zur Sesvenna Hütte war ein kleiner Kampf, ich wollte endlich ankommen.

Durch die Uina Schlucht

Um 18:40 Uhr haben Astrid, Stephan und ich die Sesvenna Hütte endlich erreicht. Markus und Walter waren ungefähr 1,5 Stunden vor uns da und haben schon auf uns gewartet.

Ich habe noch nie so etwas heftiges wie an diesem Tag gemacht und bin an meine Grenzen gestossen, gleichzeitig war es der tollste und beeindruckendste Tag und das tolle: ich war abends und auch am nächsten Tag Fit und hatte überhaupt nie irgendwelche Ausfallerscheinungen. Mein Körper hat alles mitgemacht. Jede körperliche Anstrengung ist sofort vorbei wenn die Anstrengung vorbei ist.

Sesvenna Hütte

Tag 4 - Donnerstag 5.08.2013
Streckenverlauf:
Sesvenna Hütte - Burgeis - Vinschgau - Meran - Tisens
ca. 100 km & 600 hm

Der Morgen des 4. Tages

Am 4. Tag begann dann für mich ein wenig die persönliche Katastrophe. Am Abend vorher hatten wir den nächsten Tag geplant. So wäre es eigentlich im Ursprung von der Sesvenna Hütte runter nach Burgeis, weiter nach Glurns und dann wieder hoch nach St.Maria ins Münstertal auf die Original Albrecht Route gegangen.

Hinunter ins Vinschgau


Leider kam dann doch alles ganz anders als geplant und gedacht. Manche Dinge lassen sich halt nicht wirklich vorausplanen. Am nächsten Morgen haben wir nach der Abfahrt von der Sesvenna Hütte im Vinschgau gesehen das Stephan einen aufgeschlitzten Reifen hat - nein nicht 1-2 cm sondern so richtig.

Reifen kaputt

Das wäre ja nicht wirklich schlimm, schließlich waren wir eh im Vinschgau wo es im Gegensatz zur hochalpinen Gegend ja Radgeschäfte hat (ich war übrigens sehr froh das wir das frühzeitig gesehen haben, denn im Hochalpinen mit so einem Reifen hätte ziemlich blöd werden können). Allerdings war an diesem Donnerstag ein super hocheiliger Feiertag in Italien und es hatte wirklich ALLES zu. Kein Verleihgeschäft, kein Radladen, alles zu, außer die Eisdielen und Restaurants. Die hatten allerdings keinen Reifen. Also mussten wir Kriegsrat halten und überlegen was wir machen können.

Uns war klar das wir nicht einfach Pause machen können und warten bis am nächsten Tag die Radgeschäfte aufmachen. Zum einen hätten wir kostbare Zeit und Wegstrecke kaputt gemacht und zum anderen war es nicht möglich einen Tag hinten dran zu hängen. Markus musste am Montag wieder arbeiten und wir mussten am Sonntagabend auch wieder nach Hause wegen unserem Sohn (4J.).

Markus hatte dann die Idee durch den Vinschgau bis nach Tisens zu fahren (er hat da ein Wohnwagen das ganze Jahr stehen) in dem er noch einen abgefahren Reifen rumliegen hat, den wir im Notfall nehmen könnten. Von da aus könnten wir dann am 5. Tag über den Gampenpass wieder zurück auf die geplante Route. Hat sich für mich vernünftig angehört. Besser wie rum sitzen. Also auf nach Tisens.

Meran

Ja es war ein totaler Erholungstag der mich nicht wirklich glücklich gemacht hat aber etwas Schonung ist auch fein und das selbst gemachte Tiramisu und die extra große Pizza am Abend waren vorzüglich ;-)

Tag 5 - Freitag 16.08.2013
Streckenverlauf:
Nals - Mendelpass - Höhenweg Kalterer See - Graun - Margreid - Mezzocorona
ca. 70 km & 1520 hm

Der Reifen stellte sich dann als nicht tauglich heraus und wir hätten jederzeit damit rechnen müssen das dieser auch wieder kaputt geht. So sind wir am nächsten Morgen erst einmal von Tisens nach Nals ins Radgeschäft gefahren und haben einen neuen Reifen gekauft. Um 9:30 waren wir mit neuem Reifen "weiterfahrtauglich". In der Zwischenzeit mussten wir unsere Weiterfahrt neu planen.

Reifenreparatur

Gampenpass bis Dimaro wäre toll gewesen aber dann hätten wir am nächsten und übernächsten Tag nur eine "kleine" Tagesfahrt gehabt. An einem Tag gleich bis Madonna zu fahren habe ich mir nicht zugetraut (zu viele hm und km für den schon recht späten Start). Wir haben festgestellt das es schwierig für uns wird wieder auf unsere geplante Route drauf zu kommen, ebenso waren wir schon recht weit südlich durch den Vortag und 7 Tage haben auf einmal auch keinen mehr Sinn gemacht, weil man die restliche Wegstrecke auch locker in 6 Tagen schaffen konnte.

So mussten wir dann Markus vertrauen das er eine vernünftige Strecke austüftelt, die uns nach Riva bringt aber auch Leistung von mir fordert. Ich wollte nicht einfach nur Kilometer abspulen und ein RADWEG kam für mich NICHT in Frage auch keine Via Claudia!

Markus hat uns dann eine schöne Tour über den Mendelpass und den Kalterer Höhenweg raus gesucht. Von Nals aus wieder On Tour ging es parallel vom Jakobsweg am Waldrand durch viele kleine Städtchen Richtung Mendelpass. Diesen dann ab Gand rauf strampeln. Irgendwann ging es dann bei 900hm ab auf den Höhenweg immer wieder mit Blick auf den Kalterer See hin zum Mendelsteig.

Blick zum Kalterer See

Da musste ich an einigen Stellen schieben (tolle Trails). Der Mendelsteig geht dann irgendwann wieder auf den Kalterer Höhenweg.

Da man unheimlich lange den See immer wieder im Blick hat, habe ich zwischendurch gedacht wir bewegen uns so gar nicht von der Stelle. Nach 42km Mittags gegen 14 Uhr gab's dann die wohlverdiente Mittagspause am idylischen Gummererhof mit einem Pfauenpärchen im Garten.

Weiter ging es über Graun und Margreid an der Weinstrasse nach Mezzocorona wo es mir dann nach fast 10 Stunden Unterwegs sein für den 5.Tag gereicht hat.

Landschaftlich war das alles sehr schön und die Tour war für mich auch fordernd, allerdings kann man das mit den Erlebnissen der ersten 3 Tage überhaupt nicht vergleichen. Aber das es schwierig bzw. nicht möglich ist den Fimberpass und eine Uinaschlucht zu topen war mir vorher schon klar. Durch die Routenänderung war ich Mental etwas angeschlagen und ziemlich gefrustet. Irgendwie hatte ich mir das alles ein wenig anders vorgestellt

Tag 6 - Samstag 17.08.2013
Streckenverlauf:
Mezzolombardo - Andalo - Lago di Molveno - Ballino - Tenno - Riva del Garda
ca. 73 km & 1510 hm

Der letzte Tag! Ich freute mich auf die Ankunft in Riva zumal mich dort Ines mit Mann und Ihren 3 Kindern in Empfang genommen haben. Den Wegverlauf fand ich eher Suboptimal da wir so viel Asphalt gefahren sind. Optische Highlights waren zum einen der Lago di Molveno und auch der Tennosee. Die ganzen kleinen italienischen Dörfer mit den Bergen drumherum hatten schon was sehr reizvolles.

Motivationstechnisch war ich am Tiefpunkt angelangt und wollte nur noch ankommen. Für mich hat die Tour an den letzten 2 Tagen etwas von dem eigentlichen Alpencross Feeling genommen.

Ich war hin und hergerissen zwischen dem das ich mit meiner Leistung mehr als glücklich war/bin, ich tolle Dinge erlebt habe und gigantische Eindrücke mitgenommen habe und dem Frust das ich irgendetwas nicht gemacht habe was ich aber machen wollte.

Für mich war klar den Alpencross muss ich noch einmal fahren und zwar so wie ursprünglich geplant… im nächsten Jahr?
Vielleicht! Gesamt bin ich nun ca. 380 km gefahren und knapp 9000 hm an 6 Tagen.
Mit ein bisschen Abstand kann ich sagen das die Alpenüberquerung ein tolles Erlebnis war und das ich vielleicht kein Finisher bin aber auf jeden Fall ein Survivor

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